„75% der Besucher genervt von irrelevantem Content“

Roland Fesenmayr auf der OXID Commons 2018

Und bei 48% der Kunden ist das genervt-sein ein Grund, den Kauf vorzeitig abzubrechen. Das konnten wir am 14. Juni 2018 auf der OXID Commons lernen.

Die inzwischen zweijährig stattfindende OXID Commons fand heute in der Freiburger Messehalle statt. Wir von KingKontent haben eine Bewerbung für die Pleonasmus-Weltmeisterschaft am Laufen – dieser erste Satz ist unsere Bewerbung dafür. Der nachfolgende zweite Satz übrigens auch. Und noch was: wir haben unseren Korrespondenten dorthin geschickt, um eine Momentaufnahme festzuhalten.

Was ist zur OXID Commons zu sagen? Die wichtigsten Player im deutschen E-Commerce-Markt sammeln jährlich ihre Fangemeinde um sich. Ob „Meet Magento“ oder „Shopware Community Day“ – die Events sind stets ein Who-Is-Who der ganzen Branche. OXID eSales, einer der E-Commerce-Plattform-Anbieter der ersten Stunde, hatte ebenfalls sein Jahresmeeting namens „OXID Commons“, jedenfalls solange, bis im Jahr 2014 die Veranstaltung aus Budgetgründen zum zweijährlich stattfindenden Event kastriert wurde. Das allerdings ist immer noch besser, als diejenigen, die noch gar nichts in der Richtung auf die Beine stellen konnten, obwohl sie gerne würden. Die heurige Veranstaltung in der Freiburger Messehalle lässt übrigens vermuten, dass die Zeiten vorbei sind, in der die Commons nur jedes zweite Jahr stattfindet. OXID lässt es richtig knallen dieses Mal.

Was macht E-Commerce so wichtig?

E-Commerce ist schon seit einiger Zeit ein substantieller Bestandteil des Handels. Weil Handel stets davon abhängt, wie gut das präsentierte Angebot vom potentiellen Kunden angenommen wird, sind wir als Content-Agentur immer mit einem Ohr am Geschehen.

Roland Fesenmayr ließ in seiner Keynote anklingen, dass 75% aller Besucher eines Webshops von überflüssigem Content genervt sind. Einerseits verwundert dies nicht, sind doch die Marketing-Abteilungen dieser Welt immer noch der Auffassung, in Konkurrenz zum Vertrieb zu stehen – konsequenterweise verfolgen gängige Marketingtexte häufig andere Ziele, als den Umsatz anzukurbeln. Andererseits – und hier flechten wir nonchalant etwas Eigenwerbung ein – sind doch Contentagenturen genau dazu da, ordentlichen Content zu liefern. Wieso nützen Anbieter von Online-Shops dieses Angebot nicht häufiger?

Zurück zur OXID Commons. In gewohnt eloquenter Weise moderierte Roland Fesenmayr, CEO der OXID eSales AG, die Veranstaltung an. „Das Vorhandensein potentiell disruptiver Technologien könnte unser Leben nachhaltig verändern“, so weit seine Botschaft. Auf die Frage, für wen das Internet-of-Things im echten Leben eine Rolle spielt, kamen wenig bejahende Handzeichen. Auch zu den Themen Robotics, KI, Blockchain und Machine Learning war die Resonanz gering. Offensichtlich hatten die Teilnehmer selber nicht völlig verstanden, in welchen Bereichen diese Technologien Anteil an deren Alltag haben. Hätte Fesenmayr als Denkhilfe erwähnt, dass fast jeder heute einen Roomba im Haus, oder einen Thermomix in der Küche hat – die überwiegende Mehrheit der Stimmen wäre ihm sicher gewesen. ‚Missed Chance‘ würden wir sagen.

„Das Vorhandensein potentiell disruptiver Technologien könnte unser Leben nachhaltig verändern“ – Roland Fesenmayr

Letztendes war die Keynote dieses Jahr ohnehin nichts anderes, als die Ankündigung, dass Carmen Hentschel durch die Veranstaltung führen wird. Wer ist Carmen Hentschel? Hentschel bezeichnet sich selber als Moderatorin und Journalistin in Sachen Digitalisierung. Bei Großkunden wie Post, Bahn und Bank scheint sie aus- und einzugehen. Und entsprechend professionell ist auch ihr erster Auftritt. Ihr einziger Job indes ist es, ein noch größeres Kaliber anzukündigen: den Wildwasser-Kajak-Guru, Bungee-Pionier und Selfie-Stick-Erfinder Jochen Schweizer. Dank seiner Einsätze als Stuntman in Willy-Bogner-Filmen und der Verbreitung einer Schnapsidee des japanischen Extrem-Fernseh-Formates ‚Sports Bakka‚ als Breitensport in Deutschland, muss man heute niemandem mehr erzählen, wer Jochen Schweizer ist. Für OXID ist ein Outdoor-Spezi selbstverständlich ein passendes Aushängeschild. Nicht ohne Grund ist der mehrfach ausgezeichnete OXID-Shop von Bergzeit – korrigiere: Bergfreunde – ein weiterer Kandidat aus diesem Genre.

Angesichts der 15.000,- Euro (plus Spesen), die Schweizers Agentur für dessen Auftritt in seiner Preisliste nennt, muss man sich allerdings fragen, wieso Fesenmayr leichtfertig seine eigene Redezeit überzog, obwohl ihm die Zeitwächter schon die ‚rote Karte‘ zeigten – Redezeit, die ja schließlich beim Vortrag des Extremsportlers und Event-Organisators abgezogen würde. Ach ja: OXID lässt es ja knallen…

Jochen Schweizer plaudert aus seinem Leben als Unternehmer

Schweizer erzählte die Geschichte seines Unternehmens, wie er mit der Organisation von Bungee-Sprüngen unerwartet viel Geld verdiente, und wie er dank der Thrill-Seeking-Society als Kunde daraus ein formidables Unternehmen schuf. Ehrlich und offen erzählte er auch, wie er Anfang des neuen Jahrtausends Marktanteile einbüßte, und schließlich kurz vor der Pleite stand. Freimütig gestand er, aufkommende Konkurrenz übersehen, und als eigentlicher Kajak-Fahrer fundamentale kaufmännische Grundsätze ignoriert zu haben. Den Verweis, dass die moslemischen Terrorattacken auf das World Trade Center im September 2011 der Grund für den einstweiligen Niedergang waren, dürfen wir dabei getrost als Mumpitz abtun. Die Botschaft des Vortrages zielte ja auch auf etwas völlig anderes ab. Schweizer wollte zeigen, dass man als Unternehmer schon am Boden liegen kann – jedoch immer wieder aufstehen und weitermachen muss.

Jochen Schweizer zitiert Captain Jack Sparrow und erzählt, wie er vor 30 Jahren Steuern hinterzogen hat

Dank an Jochen Schweizer für seine motivierende Botschaft

Die Fernsehverwöhnten unter uns kennen Schweizer vor allem durch die Sendung „Höhle des Löwen“, in der eine Jury aus Wirtschaftsverständigen die Geschäftsideen von jungen Start-Ups bewertet, und im Erfolgsfall mit einer Seed-Finanzierung versieht. Schweizer plauderte über die Geschäftsidee von Jennifer Browarczyk, die mit einer App namens „Foreverly“ den Markt besetzen wollte, in welchem Anbieter von Dienstleitungen für Hochzeitsfeiern mit den sich Trauenden zusammengebracht werden sollte. Bei geschätzten 400.000 Hochzeiten pro Jahr allein in Deutschland, und dem Budget von mehreren Tausend Euro, die Brautpaare für ihre Trauung im Schnitt ausgeben, sollte der Ansatz eigentlich ein Selbstläufer sein. Dennoch floppte das Vorhaben. Schweizer musste sein Investment abschreiben. Offensichtlich hatte er übersehen, dass exakt dieser Markt schon von etablierten Playern besetzt war, die zum Teil schon seit einigen Jahren profitabel in diesem Geschäftsfeld unterwegs waren.

Dass dies kein Problem sein muss, zeigte Schweizer mit einem kleinen Video. In der ‚Höhle des Löwen‘ war diesmal das Start-Up „Hip Trips“ von Christina Borensky und Georg Schiffmann. Diese beiden wollten eine Plattform für wirklich ausgefallene Urlaubsideen an den Markt bringen. Neben Schweizer saßen damals in der Jury noch Vural „Öger Tours“ Öger, Judith Williams, Lencke Wischhusen und Frank Thelen, von dem Schweizer sagt, er werfe mit dem Geld nur so um sich. Öger kritisierte, dass die notwendige Werbung für das Unternehmen so viel Geld verschlingen würde, dass sich ein Investment nicht lohne. Auch Thelen winkte ab. Für Schweizer stellte sich die Situation jedoch völlig anders dar.

Seine Webseite, in der er Jochen-Schweizer-Events anbot, hat nach seinen Angaben 15 Millionen Besucher. Nach der vernichtenden Kritik der vorangegangenen Juroren bemühte Schweizer das Beispiel der Hummel. Kenner der Biologie lupften an dieser Stelle die Augenbrauen. Der ‚DHDL‘-Juror bezifferte das Gewicht der Hummel mit 0,7 Gramm bei 1,2 cm² Flügelfläche, obwohl es in Wahrheit genau umgekehrt ist: 1,2 g und 0,7 cm² Flügelfläche. Schweizer hätte vielleicht vor seinem Auftritt mal das Buch „Was ist was – Insekten“ lesen sollen. Nebenbei stammt die Theorie, dass die Hummel eigentlich gar nicht fliegen können dürfte, von irgendwo um die 1930er Jahre, als man noch glaubte, Insektenflügel seien starre Flächen, die heftig auf- und abbewegt würden. Dank High-Speed-Kameras weiß man heutzutage, dass die Flügel der Hummel hochflexibel sind, und eine komplexe Bewegung vollführen, die eher einer Acht ähnelt, als einem einfachen Flattern.

Von diesem Showgebaren abgesehen, konnte sich Schweizer dem Erfolg seines angebotenen Investments von EUR 150.000 für 26% der Firmenanteile an Hip Trips sicher sein. Schließlich hatte er mit seinem Unternehmen die Wiege der Breitenwirkung und marketingtechnischen Reichweite bereits bereitet. Hip Trips zeichnet aktuell einen Wert von 25 Mio. Schweizers Riecher wurde diesmal belohnt und verhalf ihm, Verluste wie von ‚Foreverly‘ zu kompensieren.

Wir lernen aus dem sehr motivierenden Vortrag, dass es als Start-Up immer Gründe gibt, weiterzumachen. Warum auch nicht? Das tun wir von KingKontent ja schließlich auch.

Wir werden auch bei der legendären Nachfeier in der Messehalle dabei sein, und auf diese Erkenntnis sicher noch das ein oder andere Glas heben.

Prost!

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